Traurigkeit
In einer
„Spaßgesellschaft“, die uns suggerieren will, dass ständiges Wohlbefinden
bei jeglichem Fehlen von Lebenskrisen der Normalfall sei, droht dies in
Vergessenheit zu geraten. So sehr eine begründete
Traurigkeit zum normalem
Leben gehört, kann fehlgeleitete Traurigkeit allerdings auch ein
Hinweis auf das Vorliegen einer ernsten seelischen Störung sein, einer
Depression.
Der normale Verlauf auch einer sehr tiefen Traurigkeit
ist dadurch gekennzeichnet, dass der seelische Prozess des Trauerns in
einer angemessenen Zeit zum Abschluss kommt, die psychische Talsohle überwunden
wird und ein Mensch wieder optimistisch und zukunftsgerichtet sein Leben
gestalten kann. Bei einer pathologischen Traurigkeit, die hinweisend auf eine
Depression sein kann, ist es in der therapeutischen Praxis oft zu beobachten,
dass ein Mensch auch nach Jahren noch in einer Weise Traurigkeit empfindet, wie
es als Reaktion auf ein akutes Ereignis angemessen wäre. Hinweise auf eine
Depression können auch solche Formen von Traurigkeit sein, die von der
betroffenen Person als unmotiviert und nicht nachvollziehbar erlebt werden.
Eine
Depression bemächtigt sich eines Menschen in einer so umfassenden Weise, wie
dies kaum bei einer anderen Erkrankung vorkommt. Betroffen sind das Gefühlsleben,
die Denkvorgänge, der zwischenmenschliche Austausch und der Bereich von
Belastbarkeit und Leistung. Schließlich können im Rahmen einer Depression
vielfältige funktionelle körperliche Symptome an verschiedenen Organsystemen
auftreten.
Nach Angaben
der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften
(AWMF) erkranken 7 bis 18 % der Bevölkerung zumindest einmal in ihrem Leben an
einer Depression. Die Zahl schwerer und damit unbedingt behandlungsbedürftiger
depressiver Erkrankungen wird mit 2 bis 7 % angegeben. Nach dieser Quelle leiden
in einer Momentaufnahme jeweils mehr als 10 % der Gesamtbevölkerung an einer
der verschiedenen Formen depressiver Erkrankungen. Obwohl es sich somit bei
depressiven Erkrankungen um eine Art „Volksseuche“ handelt, ist das Wissen
um Depressionen als seelische Erkrankungen, gerade in Abgrenzung zu Gefühlen
von Traurigkeit als normalem
psychologischem Phänomen, in der Bevölkerung sehr
gering. Im folgenden werden daher häufige Symptome depressiver
Erkrankungen aufgelistet. Traurigkeit: Psychische Symptome depressiver Erkrankungen:
·
Gefühle: Die Stimmung
ist unglücklich, niedergeschlagen, bedrückt, verzweifelt und resigniert. Es
kann sein, dass Jemand bei jeder Kleinigkeit in Tränen ausbricht oder aber,
dass er sich tief bedrückt und verzweifelt erlebt, aber geradezu daran leidet,
nicht weinen und nicht wirklich trauern zu können. Die Bandbreite normalen
emotionalen Erlebens ist eingeschränkt. Ein stark depressiver Mensch kann sich
nicht über positive Ereignisse freuen. Vielleicht kann er solches nicht einmal
mehr wahrnehmen. Viele depressive Menschen beschreiben ein „Gefühl der Gefühllosigkeit“.
Sie leiden daran, keine Gefühle der Liebe mehr empfinden zu können und äußern,
dass alles leer, stumpf und abgetötet sei. Sie sprechen von einem „Erkalten
über Gefühle“ oder einer „seelischen Mauer“, die sie umgibt.
·
Energie/Antrieb:
Depressive Menschen leiden daran, sich nicht aufraffen zu können, etwas zu tun.
Der Wille zu Aktivitäten kann durchaus vorhanden sein, aber der Betreffende
erlebt sich in hohem Maße lustlos, antriebslos, schwach und kraftlos, ohne
Schwung und ohne Initiative. Er kann sich nicht aufraffen. Der „innere
Schweinehund“ wird unüberwindbar groß. Manche Menschen beschreiben es als
ein Gefühl, „als ob eine unsichtbare Macht einem von jeglicher Aktivität
fern hält“. Entgegen dieser depressiven Hemmung, die zumindest bei schweren
Depressionen auch für die Umgebung sichtbar wird, erleben viele Menschen eine
starke innere Unruhe. Sie sind nervös, gestresst, gehetzt und getrieben, „wie
unter Strom“. Als Versuch, die depressive Hemmung mit Willensanstrengung zu überwinden,
kommt es oft zu einem hektischen Beschäftigungsdrang. Vieles wird angefangen,
jedoch ohne die Tätigkeit zu einem sinnvollen Ende führen zu können.
·
Aufmerksamkeit/Konzentration:
Die Konzentration ist
meistens beeinträchtigt. Eine längere konzentrierte Beschäftigung mit einer
Sache wird unmöglich. Das Denken ist gehemmt, die Merkfähigkeit eingeschränkt.
Die Aufmerksamkeit wird zunehmend von der Umgebung (private oder berufliche
Angelegenheiten) abgezogen. Sie engt sich immer mehr auf die depressive
Symptomatik ein. Es wird zunehmend schwer, sich mit mehreren Dingen gleichzeitig
zu beschäftigen, man erlebt sich selbst als abwesend, mit den Gedanken
woanders.
·
Denken: Typisch für
Depressionen ist das grüblerische Denken. Die Gedanken drehen sich im Kreis,
die immer gleichen Denkinhalte drängen sich auf. Man kommt zu keinem Ergebnis.
Dabei zermürbt das depressive Denken. Es kommt zu einer Überbewertung früherer
oder aktueller Ereignisse mit dem Resultat eines schlechten Gewissens.
Vielleicht werden kleinere Verfehlungen aus der Vergangenheit gegenwärtig, mit
der Tendenz, sich ständig vor sich selbst rechtfertigen zu müssen. Die Fähigkeit,
Entscheidungen zu treffen, ist stark herabgesetzt. Bei einer schweren Depression
kann Jemand auch bei einer banalen Fragestellung in ein grüblerisches Abwägen
geraten, sich hin- und hergerissen fühlen, unfähig, zu einer Entscheidung zu
gelangen.
·
Selbstwert: In einer
Depression erscheint der Betroffene sehr dünnhäutig. Er ist sehr sensibel
gegenüber Kritik und fühlt sich rasch angegriffen. Er neigt unter Umständen
dazu, Schuldgefühle zu entwickeln, auch dort, wo es nicht um eigenes
Verschulden geht. Das Selbstwertgefühl ist insgesamt deutlich herabgesetzt.
Schwer depressive Menschen erleben sich nicht selten als eine Last für ihre
Umgebung und entwickeln lebensmüde Gedanken. Dies kann beginnen mit den
unspezifischen Gedanken, das alles nicht mehr aushalten zu können, nicht mehr
aufwachen zu wollen. Nicht selten tauchen konkrete Suizidgedanken oder -pläne
auf. Ca. 50 % aller tödlich verlaufenden Selbstmordversuche werden im Rahmen
depressiver Erkrankungen begangen.
·
Zwischenmenschlicher und
beruflicher Bereich: Das Interesse an Hobbys geht verloren. Es fällt
zunehmend schwer, Kontakte aufrechtzuerhalten. Der depressive Mensch tritt einen
Rückzug an, igelt sich ein, sagt häufig unter Vorwänden Verabredungen ab. Es
fällt schwer, neue Kontakte zu knüpfen. Weil man sich nicht traut seinen
Freunden mitzuteilen an einer Depression zu leiden, verstehen diese die eigenen
Reaktionen oft falsch und wenden sich aus Ärger ab. An der Arbeit entsteht zunächst
ein Gefühl permanenter Überforderung. Arbeiten dauern länger als sonst.
Schließlich kommt es auch zu einem objektivierbaren Leistungsabfall. Das
Arbeitspensum wird nicht geschafft. Nicht selten nimmt man Akten mit in den
Feierabend, ins Wochenende oder in den Urlaub. Hierdurch beschleunigt sich
zumeist die Abwärtsspirale depressiven Erlebens, da Regenerationszeiten
zunehmend fehlen. Traurigkeit: Körperliche Symptome depressiver Erkrankungen:
·
Schlafstörungen:
Einschlafstörungen können auftreten, sind insgesamt aber weniger typisch als
Durchschlafstörungen, die fast bei keiner Depression fehlen. Auf dem Höhepunkt
einer schweren Depression erwacht Jemand manchmal nach ein oder zwei Stunden
bereits wieder und kann für längere Zeit nicht einschlafen. Oder aber der
Schlaf bleibt ab dem ersten Erwachen oberflächlich und ist durch viele
Wachphasen gestört. Gehäufte Albträume können auftreten. Morgens fühlt man
sich wie gerädert, so, als habe man überhaupt nicht geschlafen.
·
Appetit: Schwere
Depressionen gehen häufig mit einer Appetitlosigkeit und starkem
Gewichtsverlust einher, sodass die Betreffenden nicht selten befürchten, an
einem Tumor erkrankt zu sein. In anderen Fällen kommt es zu Heißhunger und
folglich zu einer Gewichtszunahme.
·
Kopfdruck: Typisch für
Depressionen ist ein diffuser Druck im ganzen Kopf. Es handelt sich nicht im
eigentlichen Sinne um einen Kopfschmerz, bei dem es irgendwo pocht, sticht oder
hämmert. Depressive Menschen beschreiben diesen Kopfdruck oft als ein Gefühl,
ständig einen Helm zu tragen oder so, als sei der Schädel ständig leicht in
einen Schraubstock eingespannt.
·
Atmung: Enge im
Brustkorb, Druck auf der Brust, flache Atmung, schweres Atmen und Keuchen.
·
Herzbeschwerden:
Herzklopfen, Herzrasen. Stechen und Brennen in der Herzgegend, Druckgefühl
hinter dem Brustbein.
·
Kreislauf/vegetatives
Nervensystem: Hitzewallungen und Kälteschauern. Zittern. Leichtes Erröten.
Kalte Hände und Füße. Temperaturüberempfindlichkeit. Blutdruckschwankungen
bzw. ständig erhöhter Blutdruck. Schwindel, weiche Knie.
·
Magen-Darm-Trakt: Übelkeit,
Brechreiz und Erbrechen. Häufige Blähungen. Sodbrennen. Magendruck. Häufig
Verstopfung, seltener Durchfall. Die ausführliche Auflistung seelischer
und körperlicher Symptome soll eine Hilfestellung leisten zur Beantwortung der
Frage, ob ein interessierter Leser möglicherweise an einer Depression erkrankt
ist. Entgegen der weit verbreiteten Annahme in der Bevölkerung, handelt es sich
bei Depressionen meistens um recht gut behandelbare Erkrankungen, wenn die
Diagnose frühzeitig gestellt und die Therapie fachgerecht durchgeführt wird.
Traurigkeit: Behandlung der Depression In der Fachliteratur herrscht weitgehend Einvernehmen darüber, dass psychotherapeutische und psychopharmakologische Behandlungsansätze die wesentlichen Prinzipien der Depressionsbehandlung darstellen.
Jede
Behandlung setzt eine gezielte Diagnostik voraus. Es reicht in keinem Fall aus,
lediglich festzustellen, dass ein Mensch depressiv erkrankt ist. Die genaue
initiale Diagnostik ist wichtig wegen der vielfältigen Ursachen und
unterschiedlichen Verlaufsformen von Depressionen. Zur Diagnostik gehören immer
auch eine körperliche Untersuchung und eine medizinische Anamneseerhebung. Des
Weiteren gehört zur Diagnostik die Identifizierung von individuell prädisponierenden,
vorausgehenden und aufrechterhaltenden Krankheitsfaktoren. Schließlich soll die
Diagnostik nicht alleine Aufschluss darüber liefern, an welcher Art von
Depression ein Mensch leidet. Es geht vor allem auch darum, möglichst genau zu
erfassen, wie das depressive Erleben sich in den konkreten Lebensbezügen eines
Menschen (Beruf, Familie, Freizeit) auswirkt. Traurigkeit: Psychotherapeutische Behandlungsansätze stehen im Vordergrund bei: - Dysthymien (neurotischen Depressionen). - Depressiven Episoden, wenn im Sinne der reaktiven Depression eine Depressionsauslösung durch psychosoziale Faktoren erkennbar ist.
-
Rezidivierenden depressiven Störungen, wenn psychische oder
soziale Faktoren offensichtlich einen Einfluss haben auf die Entstehung oder
Aufrechterhaltung depressiver Phasen.
Die Frage, ob
zusätzlich zur Psychotherapie eine begleitende psychopharmakologische
Behandlung durchgeführt wird, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Als
allgemeiner Grundsatz kann gelten, dass mit zunehmender Schwere einer Depression
um so eher die Indikation für eine begleitende Behandlung mit
Antidepressiva
gestellt werden sollte. Einem Patienten mit einer schwer ausgeprägten
Depression eine medikamentöse Behandlung vorzuenthalten, stellt einen
Kunstfehler dar. Leichte depressive Erkrankungen können im Allgemeinen rein
psychotherapeutisch behandelt werden. In einer Vielzahl von Fällen ist die
Behandlung mit Antidepressiva
Ermessenssache. Hier sollte der Patient über Chancen und Risiken
(Nebenwirkungen) einer medikamentösen Behandlung ausreichend informiert werden,
sodass er selbst in der Lage ist, die Entscheidung mitzutreffen. Methodenunabhängig variiert der psychotherapeutische Umgang in Abhängigkeit von der Schwere und Akutheit einer Depression. Bei schweren, akut aufgetretenen Erkrankungen ist die psychotherapeutische Haltung vergleichbar mit der eines Arztes bei einer ernsten körperlichen Erkrankung. Er wird in angemessener Weise informieren, beraten, Hoffnung auf Besserung zusprechen und eine geeignete Medikation einleiten. Zudem wird der Behandler in dieser Phase dem erhöhten Suizidrisiko durch Veranlassung geeigneter Maßnahmen (regelmäßige Kontakte, Überwachung) Rechnung tragen. In der Behandlung akut depressiver Patienten sind aufgrund klinischer und wissenschaftlicher Erfahrungen folgende allgemeine Grundsätze zu beachten: · Therapeuten sind problemorientiert, strukturiert, konkret, aktiv und ggf. auch direktiv. Ausführliche Erklärungen des Krankheitsbildes und der Einflussfaktoren werden gegeben. · Die Psychotherapie wird aus dem Erklärungsmodell abgeleitet und erklärt. · Es werden klare Zielsetzungen formuliert, die für den Patienten transparent und nachvollziehbar sind. · Die Lösung aktueller Probleme steht im Vordergrund. Fokussiert wird auf die Alltagsbewältigung.
· Das therapeutische Vorgehen ist gestuft, um den Patienten in
seiner depressiven Einengung nicht zu überfordern.
Außerhalb
ganz akuter Krankheitsphasen stellt die psychotherapeutische Behandlung einer
Depression jetzt größere Anforderungen an den Patienten. In einer
Psychotherapie geht es darum, gemeinsam mit dem Patienten zu erarbeiten, welche
Bedingungen in seinem individuellen
Fall zur Auslösung bzw.
Aufrechterhaltung einer Depression geführt haben. Hier unterscheiden
sich Verhaltenstherapie und tiefenpsychologische Therapieverfahren in ihren
Grundannahmen und der Behandlungsführung.
In der Verhaltenstherapie geht es weniger darum, in der Vergangenheit
liegende Ursachen für eine Depression aufzudecken. Vielmehr wird versucht, ungünstige
Verhaltensmuster und Denkgewohnheiten, deren sich die Patienten meist gar nicht
bewusst sind, zu identifizieren. Unter Anleitung des Psychotherapeuten lernt der
Patient dann, andere, günstigere Verhaltensweisen zu entwickeln und einzuüben.
So kann sehr kleinschrittig beispielsweise versucht werden, einen Patienten
anzuregen, seinen sozialen Rückzug ein wenig aufzugeben und wieder unter
Menschen zu gehen, seine Arbeit wieder aufzunehmen oder in angemessener
Abstufung alltägliche Verrichtungen wieder zu bewältigen. Depressive
Selbstzweifel, Selbstanklagen und negative Ansichten über andere Menschen und
über sich selbst werden eingehend besprochen. Mit Hilfe des Therapeuten kann
der Patient so allmählich lernen, seine negative (depressive) Sicht der Dinge
gegen eine neutralere oder positivere Haltung einzutauschen.
Tiefenpsychologische Therapieansätze gehen zwar auch davon aus,
dass Lernvorgänge in der Depressionsentstehung eine Rolle spielen. Sie messen
diesen aber eine etwas geringere Bedeutung bei. Als zentral werden hier
bestimmte Konflikte früherer Lebensphasen angesehen, die nicht angemessen bewältigt
werden konnten und jetzt im Erwachsenenleben eine krank machende Wirkung
entfalten. Im therapeutischen Gespräch wird die depressionsauslösende
Konfliktsituation identifiziert. Dabei geht es nicht alleine um eine äußere,
sozusagen objektivierende Beschreibung der Konfliktsituation, sondern vor allem
darum zu erhellen, wie die betroffene Person subjektiv auf ihrem persönlichen
Lebenshintergrund die Situation erlebt hat. Oft ermöglicht erst das Verständnis
lebensgeschichtlich prägender Konfliktsituationen, die gefühlsmäßige
Dimension des Aktualkonfliktes angemessen zu verstehen. Traurigkeit: Die Behandlung von Depressionen in der Hardtwalklinik
II Die Hardtwaldklinik II ist eine psychotherapeutische/psychosomatische Rehabilitationsklinik mit 25-jähriger Tradition. Pro Jahr werden etwa 2000 Patienten im Rahmen durchschnittlich 6-wöchiger Heilverfahren behandelt. In den vergangenen Jahren machten die verschiedenen Formen depressiver Erkrankungen jeweils knapp mehr als 50 % der Patienten aus. Nimmt man alle Diagnosen zusammen, so leiden etwas mehr als 2/3 unserer Patienten an depressiven Störungen. Die Klinik verfügt somit langjährig über vielfältige Erfahrungen aus dem gesamten Spektrum depressiver Erkrankungen. Behandelbar in der Klinik sind prinzipiell alle Formen depressiver Erkrankungen, sofern nicht: - ursächlich eine solche körperliche Erkrankung zugrunde liegt, die einer stationären Krankenhausbehandlung bedarf. - schwere Selbstmordgedanken vorliegen, die zur Handlungsausführung drängen, was eine intensive Überwachung erforderlich macht. - die Depression so stark ausgeprägt ist, dass ein Erkrankter nicht mehr in der Lage ist, selbstständig basale Alltagsverrichtungen (Aufstehen, Körperpflege, Nahrungszufuhr etc.) zu bewerkstelligen oder
- die Konzentration nicht ausreicht, um psychotherapeutische Gespräche
zu führen.
Nach Aufnahme
wird eine eingehende medizinische und
psychotherapeutische Diagnostik durchgeführt. Diese umfasst eine ganzkörperliche
Aufnahmeuntersuchung (vor allem internistischer und neurologischer Status), ein
Laborscreening, eine ausführliche krankheitsbezogene Anamnese und biografische
Anamnese, die Erstellung eines psychischen Befundes und einer Verhaltensanalyse
bzw. psychodynamischen Hypothesenbildung zur Krankheitsentstehung. Ggf. kommen
testpsychologische Untersuchungen zur Anwendung.
Wesentliches
Merkmal einer stationären psychotherapeutischen Behandlung ist immer zunächst
einmal die Entlastung von häuslichen
und beruflichen Verpflichtungen. Erst in einer solchen Entlastung kann bei
schwer depressiven Menschen eine wirksame Psychotherapie in Gang kommen.
Die
psychotherapeutische Behandlung in der Hardtwaldklinik II ist im Regelfall immer
eine Kombination aus hochfrequenter Gruppenpsychotherapie
und begleitenden einzelpsychotherapeutischen
Gesprächen. Bei der Gruppentherapie wechseln sich jeweils sprachliche
Verfahren (analytisch-interaktionelle Therapie oder verhaltenstherapeutische
Depressionsgruppe) mit einem Kreativverfahren ab (Gestaltungstherapie, konzentrative Bewegungs-therapie oder Musiktherapie).
Bei der
Gruppentherapie depressiver Patienten sind nach unserer Erfahrung die von I. D.
Yalom beschriebenen allgemeinen Wirkfaktoren einer Gruppentherapie von
besonderer Bedeutung. Der depressive Patient wird in einer
Therapiegruppe auf Gleichgesinnte und
damit auf Verständnis stoßen. Kontrastierend zu häuslichen oder
betrieblichen Vorerfahrungen, demzufolge man ihm nicht glaubte, erkrankt zu
sein, wirkt das Verständnis von Mitpatienten entlastend. Das Miterleben der
Besserung der depressiven Symptomatik bei Mitpatienten wird Hoffnung vermitteln,
die eigene Depression zu überwinden, ebenso wie die gehörten Berichte der Bewältigung
früherer Krankheitsphasen. Die Gruppe bietet zudem Möglichkeiten, aus den gehörten
Krankheitsberichten Eigenes wieder zu entdecken und mit Hilfe fremder Rückmeldungen
die eigene Lebensgeschichte besser verstehen und
einordnen zu können. In der sozialen
Matrix der Gruppe können eigene ungünstige Verhaltensmuster erkannt
werden. Zugleich stellt dies den Beginn dar, neuere und günstigere Techniken
des mitmenschlichen Umgangs zu entwickeln. Insgesamt bietet die Gruppentherapie
neben der Chance zum vertieften Verständnis der eigenen Depression die Möglichkeit
zu korrigierenden emotionalen Erlebnissen.
Wichtiger
Bestandteil eines stationären Heilverfahrens
sind verschiedene
Informations- und Vortragsveranstaltungen, die sich im engeren und weiteren
Sinn mit Fragen der Depression und Depressionsbewältigung beschäftigen. Obligatorisch ist das Erlernen der Grundzüge eines Entspannungsverfahrens. Gestufte sportliche Aktivitäten, Terrainwanderungen in freier Natur, Schwimmen (und Saunieren) stellen wichtige Angebote dar, den eigenen Körper wieder in positiver Weise zu erleben.
Es erfolgt
eine individuelle Beratung darüber, ob und warum eine begleitende
psychopharmakologische Behandlung als sinnvoll erachtet wird. Die
Psychopharmakotherapie
geschieht nach den Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften.
Ein
wesentliches Augenmerk wird in unserer Klinik, unserem Grundverständnis als
Rehabilitationseinrichtung folgend, auf die konkreten Auswirkungen einer
Depression auf den privaten und beruflichen Alltag gelegt. In Zusammenarbeit
mit Sozialpädagogen und kliniksexternen Rehabilitationsberatern
ermitteln wir frühzeitig, ob nach der stationären Behandung noch ein Bedarf an
weiteren Rehabilitationsmaßnahmen bestehen wird. Soweit möglich, werden solche
Maßnahmen in der Klinik nicht nur vorbesprochen, sondern auch bereits
eingeleitet. Ihr Dr. med.
Manfred Schäfer
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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